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„Wind-Stärke Eins bis Zwei“ - Wer braucht schon mehr?

- Rudi Wind
Wenn er genüsslich seine „Lord Extra“ schmaucht, der Inhalt des Müller-Thurgau-Schoppens den Gaumen kitzelnd seiner ureigensten Bestimmung zugeführt wird und schließlich ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht huscht, dann ist für ihn die Welt in Ordnung. So stürmisch wie man es ob seines Nachnamens denken könnte, kam er eigentlich noch nie daher. Bei ihm liegt dieKraft in der Ruhe, mit der er nicht zuletzt auch am Tischtennistisch für eine wohltuende Ausgeglichenheit gegenüber seinen manchmal impulsiven Kontrahenten, aber auch seinen Mitstreitern in den eigenen Reihen sorgt. Zu Beginn des Jahres hat er sein sechzigtes Lebensjahr vollendet und gönnt sich seitdem den wohlverdienten Ruhestand. Gummi, zumindest dem Namen nach, bestimmteden Großteil seines Lebens. Aber nicht der auf dem Tischtennis-Schläger, sondern vielmehr seine jahrzehntelange Tätigkeit für die Firma Gummi-Mayer in Landau.
Am grünen Tisch befindet er sich noch längst nicht in der Rolle des Rentners, und dies obwohl er seit 47 Jahren unserem Sport frönt. Das Ausstelldatum seines Spielerpasses lautet auf den 1. August 1961. Da war er gerade 13 Jahre alt und die damals dunkle Mähne noch füllig. Hin und wieder nahm er sich ein paar kleine Auszeiten, doch immer wieder fand er den Weg zurück an die „Platte“.
Nach drei Jahren jugendlicher Karriere wechselte er 1964 zum TSV Weyher, um sich weitere vier Jahre später dem TuS Albersweiler anzuschließen. Genau zehn Jahre nach seinem Einstieg beim TTC Burrweiler heuerte er 1971 wieder beim Club in seiner Heimatgemeinde an und hält diesem seit dem ununterbrochen die Treue. Seine TTCMitgliedschaft in Burrweiler hat er übrigens auch während seiner auswärtigen Spieljahre nie aufgegeben.
Seine Stärke lag schon immer im Gefühlsbetonten Spiel. Ansatzlos gespielte Vorhandbälle, deren Ziel für den Gegner nur schwer auszumachen ist, waren und sind sein Markenzeichen. Während andere sich über verschlagene Bälle lautstark ärgern, ihr Spielgerät durch die Halle feuern oder dieses gar in zwei Teile zerbrechen, kommentiert er seine Fehler meist nur mit einem leisen „Heieijei“ oder „Hmmm, Hmmm, Hmmm“.
Zurzeit ist er in der fünften TTC-Mannschaft aktiv, wo er es versteht seine Gegner in Verlegenheit zu bringen. Wenn die Bilanzen heuer nicht mehr ganz so positiv ausfallen wie in früheren Zeiten, kann ihn dies kaum noch erschüttern. Aber nicht nur während des Spiels oder des Trainings möchte man auf ihn nicht verzichten. Gerade auch beim „Danach“ gehört er einfach dazu. Ältere Mitspieler erinnern sich sicher noch an den Namen „Schmotz“, etwas jüngere Jahrgänge möchten Zeiten in der „Blume“ nicht missen, wo plötzlich auftretende Magenbeschwerden gerne mit einer flüssigen braunen Arznei des „Meister Jäger“ bekämpft wurden.
Da war dann gerne „de Unkel“, wie er nicht nur von seinem Neffen Ralf genannt werden darf, nicht wegzudenken. Parallel zum Tischtennis hatte es ihm aber auch der Fußball abgetan. Auf einem älteren Mannschaftsbild im Sportheim des SV Burrweiler ist er als ranker und schlanker Jüngling zu sehen. Seine filigrane Technik machte ihn zum wichtigen Mittelfeldstrategen, der seine Stürmer mit gekonnten Pässen in die Tiefe zu füttern wusste. Während er beim TTC nie ein Funktionärsamt ausübte – „Des werd mer äfach zu veel“ –, hatte er die Finanzen der Fußballer über lange Jahre im Griff. Das Amt des Rechners für den Wirtschaftsbetrieb war geradezu wie geschaffen für ihn.
Wir freuen uns mit ihm einen Sportkameraden in unseren Reihen zu haben, dessen sportlich faires Verhalten und seine langjährige Kameradschaft orbildlich waren und sind, unseren Rudi Wind.
Heinz Lambert


